Krise & Chance Juni 2025

Herr Weber, Sie beraten regelmäßig Unternehmen bei Finanzierungen und Restrukturierungen. Was sollten Unternehmen bei einer nachhaltig krisenfesten Finanzierung im Blick haben? Weber: Die Vergaberichtlinien für Unternehmenskredite sind deutlich strenger geworden. Gerade mittelständische Unternehmen haben es daher deutlich schwerer, einen Bankkredit zu erhalten. Man kann also durchaus sagen, dass bei Bankkrediten härter selektiert wird – und wir reden hier nicht nur von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle langlebig und erfolgreich sind. Gerade in Krisenzeiten – etwa, wenn ein Unternehmen sich restrukturieren muss, um am Markt bestehen zu können – ist es existenziell, dass man über das nötige Kapital verfügt oder auf alternative Finanzierungsquellen zurückgreifen kann. Oder anders formuliert: Wer seine Finanzierung breit aufstellt, ist weniger abhängig von einzelnen Finanzierern und Finanzierungsinstrumenten – nicht nur im Krisenfall ein nicht zu unterschätzender Faktor. Unternehmen sehen sich gerade in Zeiten wie diesen einer Vielzahl an wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber. Fakt ist daher: Kein Unternehmen ist davor gefeit, in eine wirtschaftliche Schieflage zu geraten und sich restrukturieren zu müssen. Was raten Sie Unternehmen, die eine Restrukturierung brauchen? Weber: Grundsätzlich gilt: Je früher eine Restrukturierung angegangen wird, desto höher sind die Erfolgschancen. Viele Geschäftsführer machen den Fehler, dass sie zu lange auf Besserung hoffen und am Ende dann der Handlungsspielraum für eine erfolgreiche Sanierung immer kleiner wird. Wichtig ist, die Augen nicht zu verschließen, wenn ein Unternehmen auf eine Krise zusteuert oder sich bereits in einer befindet, sondern so früh wie möglich mit Gegenmaßnahmen zu beginnen. Zielrichtung und Umfang dieser Maßnahmen hängt in hohem Maße von der konkreten Problemstellung des Unternehmens ab. Ist es ein rein finanzielles Problem oder sehen wir grundlegende Schwächen des Geschäftsmodells? Muss man sich von nicht rentablen Standorten oder Produkten trennen, gibt es einen Mitarbeiterüberhang? Oder erdrücken die Schulden das Unternehmen, das jedoch über ein grundsätzlich rentables Geschäftsmodell verfügt? Von den Antworten auf diese Fragen hängt das Vorgehen, aber auch die dafür benötigte Liquidität ab. Wie können Unternehmen feststellen, wie es um ihre Finanzen steht? Weber: Für eine finanzwirtschaftliche Analyse wird in einem ersten Schritt ein stichtagsbezogener Finanzstatus erstellt, der die verfügbaren liquiden Mittel wie Bar- und Bankguthaben sowie nicht ausgeschöpfte und ungekündigte Kreditlinien den fälligen Verbindlichkeiten gegenüberstellt. Können die fälligen Verbindlichkeiten mit den liquiden Mitteln entsprechend den von GIGE FINANZIERUNG: RENT BACK FÜR DEN MITTELSTAND

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