Krise & Chance Oktober 2025

– eine Suche, die bereits zwei Monate später, zum 1. Juli 2025, mit der Übernahme von CustomCells durch ein Konsortium industrienaher Family Offices erfolgreich abgeschlossen wurde. Durch die Übernahme konnten am Stammsitz von CustomCells in Itzehoe 80 Prozent der Arbeitsplätze erhalten werden. Transparente Kommunikation „Insgesamt hatte CustomCells an den Standorten Itzehoe und Tübingen rund 200 Mitarbeitende. Trotz der Größe der Belegschaft herrschte im Unternehmen nach wie vor eine Startup-Kultur, was uns als vorläufige Insolvenzverwaltung in diesem Fall durchaus vor eine besondere Herausforderung gestellt hat“, sagt Köster. „Am Standort in Tübingen ruhte zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags der Geschäftsbetrieb bereits – und auch im Zuge der Investorensuche haben sich keine tragfähigen Perspektiven für eine Wiedereröffnung ergeben, was für die Mitarbeitenden dort und ihre Kollegen in Itzehoe natürlich keine schöne Nachricht war, die wir aber sehr transparent kommuniziert haben. Für die Rettung des Unternehmens als solches war die Loslösung der Standorte voneinander jedoch alternativlos.“ Inzwischen ist die geordnete Abwicklung des Werks in Tübingen nahezu abgeschlossen. Direkt loslegen „Dass es Standorte gibt, für die es eine Fortführungslösung gibt, wohingegen andere Standorte eines Unternehmens geschlossen werden müssen, ist in einem Insolvenzverfahren nicht ungewöhnlich“, sagt Alexander von Saenger, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Schultze & Braun, der die sanierungsarbeitsrechlichen Belange im Verfahren CustomCells gesteuert hat. „Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn beide Standorte und alle Arbeitsplätze zu retten gewesen wären. Die Suche nach passenden Investoren und die Verhandlungen mit diesen mussten aber, wie es in Insolvenzverfahren oft der Fall ist, unter großem Zeitdruck erfolgen. Hinzu kommt die Tatsache, dass der für den Erhalt des Unternehmens notwendige Personalabbau parallel zu den Investorengesprächen erfolgen musste. Es war daher für alle Seiten wichtig, dass wir im Sanierungsarbeitsrecht direkt loslegen konnten.“ Erwerberkonzept erarbeitet und umgesetzt Aber nicht nur der Insolvenzverwalter, sondern auch die Erwerber von CustomCells haben auf die sanierungsarbeitsrechtliche Expertise von Alexander von Saenger und seinem Team gesetzt. „Für das FamilyOffice-Konsortium haben wir zusammen mit dem Erwerber und dessen anwaltlicher Beratung nach dessen Vorgaben ein Erwerberkonzept aufgestellt und dann umgesetzt, damit die Übernahme des Geschäftsbetriebs am Stammsitz in Itzehoe in der vergleichsweise kurzen Zeit, die zur Verfügung stand, erfolgreich abgeschlossen werden konnte“, sagt von Saenger. Die Sanierungschancen genutzt „Mein Dank gilt allen Beteiligten, die die Sanierung des Unternehmens begleitet haben. Dem Team bei CustomCells wünsche ich für den Neustart alles Gute. Ich bin überzeugt: Innovative und hochleistungsfähige Batteriezellentechnologie aus Deutschland hat ihre Chancen“, fasst Insolvenzverwalter Köster das Ergebnis zusammen. Mit dem Blick auf die erfolgreiche Sanierung von CustomCells kann man definitiv sagen, dass das Unternehmen die Sanierungschancen unter dem Schutz des Insolvenzrechts genutzt hat. Mit den neuen Investoren ist der wirtschaftliche Akku von CustomCells wieder aufgeladen, und es bestehen wieder stabile Perspektiven für die Zukunft. KU IST WIEDER AUFGELADEN Im vorangehenden Teil von „Erfolgsfaktor Sanierung“ steht die Sanierung des Stendaler Metallverarbeiters JS Lasertechnik in zwei Schritten im Fokus. Der Insolvenzverwalter und die beiden Führungskräfte, die das Unternehmen im Rahmen eines Management Buy Outs (MBO) übernommen haben, geben einen Einblick in das Verfahren, bei dem es vor allem auf die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten ankam.

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