Krise & Chance September 2025

Einzelne Tochtergesellschaften aus dem Portfolio einer Unternehmensgruppe auszugliedern ist alles andere als einfach. Zahlreiche rechtliche Fallstricke machen den Prozess herausfordernd und mitunter risikoreich. Doch mit der entsprechenden Expertise und Vorbereitung stehen die Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung gut. Dr. Dietmar Haffa von Schultze & Braun erläutert, warum eine Sanierungsgesellschafter-Lösung definitiv keine Notlösung darstellt, sondern vielmehr die erste Wahl sein kann. Herr Dr. Haffa, bei Sanierungen und Restrukturierungsbemühungen von Unternehmensgruppen ist es ein mitunter notwendiger Schritt, sich von Tochterunternehmen zu trennen. Warum ist das so? Haffa: Im Grunde ist das nichts anderes, als wenn man sich in anderen Lebensbereichen auch Gedanken darüber macht, inwieweit die Rahmenbedingungen noch dazu passen, wie man aufgestellt ist. Das kennt jeder von sich selbst, wenn man etwa sein Auto, seine Wohnung oder seinen Job hinterfragt und auf den Prüfstand stellt – wenn sich die Lebensumstände ändern. Denn nichts ist so beständig wie der Wandel! Das gilt auch in der Wirtschaft – auch wenn die Beweggründe dort selbstverständlich andere sind, beispielsweise, wenn eine Gesellschaft wegen einer strategischen Neuausrichtung nicht mehr ins Portfolio passt, Geschäftsfelder ganz aufgegeben werden müssen, ESG-Kriterien eine Trennung unumgänglich machen oder die wahrgenommene Dissonanz zwischen Mutter- und Tochterunternehmen in den Augen der Öffentlichkeit für Unruhe sorgt. Eine Ausgliederung ist da ein üblicher Schritt zur Lösung und zur Anpassung an neue Rahmenbedingungen. Üblich ja, aber dennoch ist eine solche Entkonsolidierung nicht immer ganz so einfach. Haffa: In der Tat. Beispielsweise kann es vorkommen, dass das Mutterunternehmen nicht über die notwendigen Mittel verfügt, um einen vorab vereinbarten negativen Kaufpreis zu garantieren – etwa, wenn man sich von einer defizitären Tochtergesellschaft trennen will oder sogar muss, um die gesamte Gruppe zu erhalten. Da geht es mitunter um sehr hohe Beträge, die in einer Sanierung praktisch unmöglich aufzubringen sind. Darüber hinaus kann eine Restrukturierung, ein Verkauf oder eine Ausproduktion und Liquidation zu handfesten Konflikten zwischen der Unternehmensführung und den Arbeitnehmern sowie deren Vertretung führen. Mitunter geht das so weit, dass sogar die breitere Öffentlichkeit ein Faktor in diesem Konflikt wird. Inwiefern? Haffa: Denken Sie beispielsweise an die negativen Effekte, die kritische Berichterstattung und öffentlichen Angriffe auf den Geschäftsbetrieb haben können. Das kann das Vertrauen von Lieferanten Der Interviewpartner: Dr. Dietmar Haffa ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenzrecht und DiplomBetriebswirt bei der bundesweit vertretenen Kanzlei Schultze & Braun. Er ist Experte für Sanierungs- und Insolvenzberatung und hat bereits zahlreiche Unternehmen bei ihren Sanierungen als Insolvenzverwalter oder Sachwalter begleitet. PORTFOLIOBEREIN SANIERUNG IM GES THEMA

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