UF ZEIT IGUNG ‚Shareholder as a Service‘-Modelle können hier eine Lösung sein. Gleichzeitig sind Skalenvorteile in stagnierenden Märkten oft nur noch zu erzielen, indem man Konsolidierung durch M&A-Aktivitäten beziehungsweise Partnerschaften verfolgt. Daher eignen sich ‚Shareholder as a Service‘-Modelle beispielsweise auch für Automobilzulieferer, zu deren Kerngeschäft die Verbrenner-Technologie nicht mehr passt. Auch die drohenden Reputationsverluste können mit diesem Ansatz vermieden werden. Wie funktioniert ein ‚Shareholder as a Service‘- Modell? Dressler:Die ‚Shareholder as a Service‘ kaufen Anteile an Unternehmen, um sie zu restrukturieren. Dadurch, dass der Restrukturierungsgesellschafter als Service-Shareholder Assets an einer defizitären Gesellschaft übernimmt, verbessert sich die Bonität des Altgesellschafters. Im Vergleich zu einem Carveout an einen Investor behält das Unternehmen aber als Altgesellschafter in gewissem Umfang die Kontrolle. So kann beispielsweise vereinbart werden, dass der Chief Restructuring Officer regelmäßig an einen Beirat berichtet, in dem die Altgesellschafter sitzen. Festgelegt wird in der Regel auch, dass der Altgesellschafter am Sanierungserfolg partizipiert. Grenzen setzt hier nur die sogenannte „control“ gemäß IFRS 10. Der Erfolg der Restrukturierung liegt dabei auch im Interesse des Restrukturierungsgesellschafters, da er für das wirtschaftliche Risiko haftet. Das Modell ermöglicht eine hohe Flexibilität, da gezielt auf operative, rechtliche oder risikobezogene Probleme eingegangen und maßgeschneiderte Lösungen umgesetzt werden können. Welche Anwendungsbeispiele gibt es? Dressler: Die Anwendungsfälle reichen von der Abwicklung nicht-kernstrategischer Tochtergesellschaften über die Trennung von defizitären Geschäftsmodellen bis hin zur Rettung insolvenzgefährdeter Betriebe. ‚Shareholder as a Service‘ bietet schnelle Ergebnisse, nimmt Change Management und Interessen der Stakeholder ernst und bietet Upside Potential durch die Übernahme durch einen Restrukturierungsgesellschafter, der als erfahrener Sanierer ein Strategieprojekt zur Weiterentwicklung beziehungsweise zum „Fit for Sale“ des Geschäftsbereiches koordiniert. Je nach Restdauer und Komplexität der Fertigung kommen aber auch unterschiedliche Ansätze zur Verlagerung beziehungsweise Ausproduktion in Frage, die erhebliche Auswirkung auf Kosten haben. Die Möglichkeiten zum Wind down einer Produktionsstätte reichen vom ‚reinen Downsizing‘, um die Fixkosten zu reduzieren, über ‚natürliches Ausphasen‘, also neue Programme anderen Werken zuzuordnen und Ausproduktion bis hin zur ‚Heißen Verlagerung‘, also die Verlagerung von Produkten zu anderen Werken. ‚Shareholder as a Service‘ ergänzt dadurch konventionelle Sanierungsansätze, ohne den bestehenden Optionsspielraum einzuschränken und kann dabei Wertabfluss oder Filetieren des Unternehmens verhindern. Der Interviewpartner: Maximilian Dressler ist Partner bei EY-Parthenon im Bereich Restructuring & Insolvency.
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5MzU=