Krise & Chance September 2025

Durch die Krise der Automobilindustrie sind zahlreiche Zulieferer und zehntausende Arbeitsplätze gefährdet. Martin Kahl, Leiter des Kompetenzzentrums Automotive Geschäftsmodelle bei FalkenSteg, erläutert, warum ein spürbarer Kulturwandel entscheidend ist, um die Krise zu bewältigen und den Übergang zur E-Mobilität erfolgreich zu gestalten. Herr Kahl, der Umsatz der deutschen Automobilindustrie sinkt. Hersteller und Zulieferer setzen den Rotstift an. Was sind die Gründe? Martin Kahl: Im vergangenen Jahr ist der Umsatz der deutschen Automobilindustrie um fünf Prozent gesunken – die Zulieferer verzeichneten sogar einen Umsatzrückgang von acht Prozent. Die Gründe dafür sind eine schwache Nachfrage aufgrund der anhaltenden Konjunkturkrise, zu hohe Kosten auch durch das teure Nebeneinander von Verbrennern und Elektroautos, der einbrechende chinesische Markt und notwendige große Investitionen in Elektromobilität, ohne dass sich die gewünschten Markterfolge eingestellt haben. In den Autokonzernen müssen deshalb massiv die Kosten sinken, was sehr wahrscheinlich auch zu einem deutlichen Stellenabbau führen wird. Weshalb ist die Lage derzeit besonders kritisch? Kahl: Die Exporte nach China, dem zweitwichtigsten Markt für die deutsche Automobilindustrie, sind in den letzten beiden Jahren massiv zurückgegangen. Und für den wichtigsten Markt, die USA, könnten die nun vereinbarten Zölle erst der Anfang sein. Die Autokonzerne werden deshalb massiv an der Kostenschraube drehen müssen, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Noch härter trifft der Volumenrückgang die Zulieferer. Dabei haben vor allem mittlere und kleinere Unternehmen oftmals nicht genug finanzielle Rücklagen, um die Transformation im Antriebsbereich in Kombination mit den zahlreichen weiteren Herausforderungen, wie etwa dem hohen Zinsniveau oder den Nachhaltigkeitsanforderungen, zu meistern. Deshalb muss in vielen Fällen das gesamte Geschäftsmodell der Zulieferer auf den Prüfstand und mit Blick auf die aktuellen Kosten neu bewertet werden. Eine schwache Nachfrage, hohe Investitionen und die ungeklärte Frage, ob der Verbrenner eine Zukunft in Europa hat: Wie können Zulieferer ihr Geschäftsmodell resilienter machen? Kahl: Ganz oben auf der Agenda sollten neben einer soliden Finanzierungs- und Liquiditätssituation sowie einem konsequenten Kostenmanagement auch ein tiefgreifender Kulturwandel stehen. Das Ziel muss darin bestehen, planbare Rahmenbedingungen und eine vertrauensvolle Geschäftskultur zu etablieren. Ein solcher Wandel könnte die Zulieferer aus dem bisherigen „Würgegriff“ von Preisdruck, Bürokratie, Planungen und Controlling befreien. Dadurch werden Kräfte freigesetzt, die für Kreativität und Innovation notwendig sind und damit das Fundament für eine erfolgreiche Transformation bilden. Der technologische Wandel durch Elektrifizierung und Digitalisierung führt dazu, dass der Kostendruck erhalten bleibt oder tendenziell sogar eher noch zunimmt. Gleichzeitig müssen Zulieferer die Herstellungskosten T I TEL

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