senken, dafür sorgen, dass sie schwerer substituierbar sind und auch die F&E-Kosten im Rahmen halten. Denn die Zulieferer erleben einerseits einen Volumenrückgang und sind andererseits mit einer Transformation konfrontiert, für die sie ihre Geschäftsmodelle dringend umgestalten müssen. Erfolgversprechend ist dabei die Konzentration auf Kernkompetenzen, auch weil es in den vergangenen Jahren einige extrem teure Fehlinvestitionen gegeben hat. Eine Zukunft werden aber nur Software-definierte Fahrzeuge haben? Kahl: Der Trend zu Fahrzeugen mit immer mehr Assistenz- und Konnektivitätsfunktionen setzt sich fort. Dies ist eine große Chance für „Software-first Companies“, die sich auf diese Produktsegmente und Technologien fokussieren und nachhaltig wettbewerbsfähig sind. Der klassische Automobilzulieferer wird aus „High-Cost-Countries“ weitestgehend verschwinden. Viele Zulieferer stehen vor der existenziellen Entscheidung, sich komplett neu zu erfinden. Nicht alle werden diese Transformation überleben. Aber Software-definierte Zulieferer können durch konsequente Effizienzsteigerungsprogramme, Partnerschaften zur Optimierung, Skalierung des Portfolios und die Konzentration auf strategische Technologien nicht nur erfolgreich bleiben, sondern auch gestärkt aus dieser Transformation hervorgehen. Kooperationen und Übernahmen, die Innovation beschleunigen und Skaleneffekte ermöglichen, werden deshalb immer wichtiger. Ein Beispiel dafür ist die Fusion von Schaeffler und Vitesco. Und gleichzeitig sinkt die Chance für Automobilzulieferer, im Falle einer finanziellen Schieflage einen Investor zu finden. Kahl: Die zweite Chance – sei es durch einen Verkauf an einen Investor oder durch Zustimmung der Gläubiger zu einem Insolvenzplan – ist inzwischen alles andere als ein Selbstläufer. Während im Jahr 2020 noch mehr als 60 Prozent der betroffenen Großzulieferer gerettet werden konnten, ist diese Quote nun auf 20 Prozent gefallen. Damit hat sich die Sanierungswahrscheinlichkeit binnen fünf Jahren nahezu gedrittelt. Investoren prüfen sehr genau und übernehmen häufig nur noch Teilbereiche, die zu ihrem eigenen Geschäftsmodell passen. Das bedeutet, um überhaupt noch einen Käufer zu finden, muss ein Zulieferer umfassend saniert sein. Fakt ist: Die anhaltende Krise in der deutschen Automobilindustrie beschleunigt den Konsolidierungsprozess im Markt. Viele Unternehmen werden noch ausscheiden, weil ihre Produkte perspektivisch nicht mehr oder nur in geringeren Stückzahlen benötigt werden. Und die Lokomotive Automotive zieht die Zulieferer aus dem Maschinenbau, Metallwaren und der Elektronik mit in die Pleite. Der Interviewpartner: Martin Kahl ist seit 2025 Partner bei FalkenSteg im Bereich Restrukturierung.
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