ÜBERALL UND MIT UNTERNEHMEN IM FADENKREUZ V Kriege zwischen Staaten werden schon lange nicht mehr nur von Soldaten auf physischen Schlachtfeldern ausgetragen. Angriffe auf Politik-, Wirtschafts- und Informationssysteme sind an der Tagesordnung – und zeigen Wirkung. Wirtschaftsunternehmen sollten sich dringend damit auseinandersetzen, um bei etwaigen Zwischenfällen gerüstet zu sein, sagt Ralph Thiele, Oberst a.D. der Bundeswehr. Herr Thiele, Spionage, Fake-News und Desinformationskampagnen aus dem Ausland, Hackerangriffe gegen kritische Infrastruktur, sogar Unterseekabel werden angegriffen. Hat sich die Kriegsführung in den letzten Jahren verändert? Thiele: Das steht außer Frage, aber der Punkt ist, inwiefern. Und da sehen wir in der Tat einen klaren Wandel hin zu hybrider Kriegsführung mit all ihren Facetten, von denen Sie ja einige wichtige genannt haben. Und mehr noch: Wir nehmen wahr, dass diese hybriden Konflikte immer stärker auch oder sogar primär auf zivile Ziele einwirken. Das kann enormen Schaden anrichten, wenn beispielsweise ein mittelständisches Wirtschaftsunternehmen ins Fadenkreuz gerät. Unternehmensverantwortliche sollten dies unbedingt ernstnehmen und entsprechend priorisieren. Was verbirgt sich hinter dem Begriff hybride Kriegsführung? Thiele: Hybride Kriegsführung zielt mit Stress und Schockereignissen auf die Kohäsion und die Funktionsfähigkeit von Staaten und Gesellschaften. Hier werden Konflikte zwischen Staaten in Bereichen ausgetragen werden, die üblicherweise nicht primär militärischen Zwecken dienen. Man denke da beispielsweise an das Internet, an die Wirtschaft, die Medien, die Kultur. All diese Bereiche können manipuliert, angegriffen und damit zu Konflikträumen gemacht werden – mit dem Ziel, ein Land grundlegend zu erschüttern und in seiner Struktur zu schwächen. Dies ist keine neue Erfindung, aber in der Substanz, in der wir sie heute erleben, ist hybride Kriegsführung weitaus wirkmächtiger als je zuvor. Und das stellt damit auch eine Gefahr für zivile Unternehmen dar? Thiele: In der Tat. Man denke da beispielsweise an die Cyber-Angriffe Russlands auf deutsche Forschungseinrichtungen, Universitäten und Unternehmen, die es schon lange vor dem Ukraine-Krieg gab. Nur wurden diese Bedrohungen viel zu lange ignoriert, weil sie eben nicht als Teil einer breit gefassten Strategie interpretiert wurden. Dabei ist auf diese Weise beispielsweise viel Wissen über die Alleinstellungsmerkmale und die Wertschöpfungsketten der Industrie hierzulande abgeschöpft worden und fand dann den Weg in die russische Rüstungsindustrie. Und manchmal ist es auch noch grober. Da werden Der Interviewpartner: Ralph Thiele ist Militärexperte und ehemaliger Oberst der Bundeswehr. THEMA
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