T ALLEN MITTELN: VON HYBRIDER KRIEGSFÜHRUNG Unternehmenswebsites lahmgelegt oder Führungskräfte ausspioniert, um Druck auf sie auszuüben. Das ist keine Petitesse. Das klingt aber sehr nach James Bond. Thiele: Eher nach Ernst Stavro Blofeld, denn Russlands hybride Strategie hat ganz und gar nichts vom typisch britischen Understatement. Da werben Agenten beispielsweise lokale Helfer an, die Bombenanschläge, Brandstiftungen und Anschläge auf kritische Infrastrukturen verüben. Man denke da etwa an den Juli 2024, als sich im Logistikzentrum der DHL in Leipzig ein Brandsatz in einem ein Paket entzündete. Das hätte zu einem Flugzeugabsturz mit vielen Toten führen können. Oder an die bundesweite Sabotageaktion gegen Autos, bei denen Auspuffrohre verstopft und Sticker mit dem Bild von Robert Habeck und dem Slogan „Sei grün!“ hinterlassen wurden. Auch dahinter steckte offenbar Russland, mit dem Ziel, die Gesellschaft zu spalten. Hybride Angriffe dieses Zuschnitts erfolgen als Teil einer Kampagne mit zahlreichen Vektoren: Die Bundesrepublik soll geschwächt werden. In diesem Kontext sind Wirtschaftsunternehmen für Angreifer legitime, lohnende und leider oftmals leichte Ziele. Warum leicht? Thiele: Zahlreiche Unternehmen sind auf hybride Angriffsszenarien schlecht oder sogar gar nicht vorbereitet. Eine Microsoft-Studie vom Herbst vergangenen Jahres hat beispielsweise festgestellt, dass vier von fünf Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung Deutschlands digitale Abwehrbereitschaft gegenüber Cyber-Angriffen nur für gering halten. Aber Cyber-Sicherheit kostet Geld und Expertise – und man darf nicht vergessen, dass Angreifer auf dem digitalen Schlachtfeld nur einmal Erfolg haben müssen, Verteidiger aber immer. Das macht Unternehmen verletzlich. So kann eine Störung in der Lieferkette vor dem Hintergrund einer angespannten Wirtschaftslage verheerende Effekte nach sich ziehen. Zum Glück muss das nicht so sein. Was empfehlen Sie denn Unternehmen in Deutschland, die nicht Opfer hybrider Kriegsführung werden wollen? Thiele: Man darf dem Aggressor nicht das Terrain überlassen. Genauso detailliert, wie der hybride Aggressor agiert, müssen auch die Schutzmaßnahmen gedacht werden. Das gilt für die staatliche Seite ebenso wie für Unternehmen. Wo es auf der einen Seite mehr politische, wirtschaftliche und militärische Selbstbehauptung braucht – im Großen, sozusagen – braucht es auch auf der operativen Ebene Strategien, wie mit verschiedenen Bedrohungsszenarien konkret umzugehen ist. Wie kann man sich und seine Organisation 0ptimal schützen? Was sind mögliche Risiken und wie kann man diese minimieren? Und welche Vorsorge kann man treffen, dass wenn doch ein Schaden eintritt, dieser möglichst klein bleibt? Ein ausgewogenes Expertise-Portfolio ist der Schlüssel für nachhaltigen, umfassenden Schutz. Ganz selbstverständlich zählt dazu auch Rechtsexpertise. Längst ist Lawfare eine außerordentlich wirksame Komponente hybrider Angriffsszenarien.
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