Krise & Chance November 2025

sam prüften die Geschäftsführung und die beteiligten Sanierungsexperten die Interessenten und bewerten ihre Angebote. „Für uns war es wichtig, einen Investor zu finden, der zu OMERAS passt und der an das Potential der Emaille made in Lauter-Bernsbach glaubt“, beschreibt Rüdiger Bauch das Vorgehen. „Daher sind wir gemeinsam beim Investorenprozess so schnell wie möglich, aber auch so gründlich wie nötig vorgegangen.“ Im Laufe des Sommers zeichnete sich ab, dass der Übernehmer die HLE Glascoat aus Indien sein wird, im August konnte Vollzug vermeldet werden. Die Emaille als verbindendes Element Auf dem internationalen Markt für Emaille ist HLE Glascoat ein bekanntes Unternehmen und ein führender Hersteller von Emaille-Produkten und anderen Gewerken für die chemische und pharmazeutische Industrie mit Hauptsitz im indischen Anand. „Oder anders formuliert: Die Emaille ist das verbindende Element der beiden Unternehmen, und mit der Übernahme wird OMERAS trotz einer Entfernung von rund sechstausend Kilometern Luftlinie von Sachsen nach Indien Teil eines internationalen Unternehmensnetzwerks mit Büros und Partnern auf der ganzen Welt, neben Indien auch etwa in den USA, Canada, Thailand und Argentinien“, sagt Sachwalter Bauch. Der Kaufvertrag wurde im August 2025 unterzeichnet. Omeras wurde von den Käufern als Unternehmen mit genug Potenzial für eine langfristige, wirtschaftlich tragfähige Zusammenarbeit eingeschätzt. Doch vor der Unterzeichnung stand eine Prüfung durch den Investor, die es so in dieser Art nur selten zu sehen gibt. Prüfung bestanden! „HLE Glasscoat wollte nicht nur sichergehen, dass Omeras über das wirtschaftliche Potenzial verfügt. Nein, ein Element war mindestens ebenso wichtig: nämlich ob die Unternehmenskultur stimmt. Die indischen Investoren interessierte es nicht nur brennend, wie die Zahlen aussahen oder wie das Werk ausgestattet ist, sondern auch wie konkret zusammengearbeitet wird“, sagt Klose. Also wurde in Gespräche mit der Geschäftsführung und der Belegschaft in Lauter-Bernsbach eruiert, wie die Kolleginnen und Kollegen miteinander umgehen oder wie ist es um die Führungs- und Fehlerkultur im Unternehmen bestellt ist. Und wie die künftige Zusammenarbeit aussehen wird. Antworten auf diese Fragen wurden in intensiven Gesprächen und mehreren Besuchen der Investoren aus Indien vor Ort in Sachsen gefunden. Dabei wurde nicht nur das Werk besichtigt, sondern auch ausreichend Zeit eingeplant für den wichtigen zwischenmenschlichen Austausch, der Auskunft über die Unternehmenskultur geben kann. Am Ende hieß es dann ganz klar: Prüfung bestanden! OMERAS 2.0 Im nächsten Schritt plant HLE Glascoat für OMERAS eine Fokussierung auf das Kerngeschäft, die Emaille-Produktion und damit eine Neuausrichtung des operativen Geschäfts. Das bedeutet, dass sich OMERAS künftig verstärkt auf das Design und die Produktion emaillierter Gewerke konzentrieren wird. Besonders positiv: Fast alle Mitarbeitenden haben dank des neuen Investors und der Arbeit und des Einsatzes der Geschäftsführung, der Eigenverwaltung und der Sachwaltung ihre Arbeitsplätze behalten können. Das ist kein Automatismus, gerade in so wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie aktuell. Aber auch eine Möglichkeit, OMERAS mit ihrer langjährigen Expertise in eine wirtschaftlich stabile Zukunft zu führen – und auch ein weiterer Beleg dafür, dass die Unternehmenskultur stimmt. LTUR OREN-ERFOLG Im vorangehenden Teil von „Erfolgsfaktor Sanierung“ steht die Sanierung des Batteriezellenherstellers CustomCells im Fokus. Maßgeblichen Anteil daran, dass das Startup nur zwei Monate nach dem Insolvenzantrag mit neuen Investoren wieder positiv in die Zukunft blicken kann, hat das Zusammenspiel von Insolvenzverwaltung und Sanierungsarbeitsrecht.

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