Krise & Chance November 2025

Deutschland steuert auf eine neuen Insolvenzrekord zu. Dr. Marcus Egner von Dietz Tonhäuser & Partner ordnet den Anstieg ein und erläutert, welche weiteren relevanten Entwicklungen es für Restrukturierer und Sanierer gibt. Herr Egner, ist die Lage ernst oder schon hoffnungslos? Egner: Die Lage ist definitiv ernst. Aktuelle Daten lassen für dieses Jahr einen neuen Höchststand bei den Insolvenzen erwarten. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Statistische Bundesamt einen Höchststand im Vergleich zu der Zeit vor der Corona-Pandemie ausgerechnet – aber auch aktuell zeichnet sich keine Erholung ab. Zu viel Bürokratie, die hohen Energiepreise und die hartnäckige Wirtschafts- und Konsumflaute belasten Unternehmen branchenübergreifend nach wie vor stark. Außerdem sind die steigenden Insolvenzzahlen ein klares Zeichen für den Strukturwandel der deutschen Wirtschaft, einen gleichzeitigen Umbruch in vielen Branchen und auch in Schlüsselindustrien. Was heißt das? Egner: Derzeit findet oft ein technologischer Strukturwandel statt: die Umstellung auf neue Energieträger und die Veränderung von Märkten, was naturgemäß mit Anpassungskosten und Unsicherheiten verbunden ist. So ist die Chemieindustrie durch die hohen Energiekosten massiv unter Druck. Der hochgradig exportabhängige Maschinenbau kämpft im internationalen Geschäft mit Schwierigkeiten, weil die geopolitische Blockbildung die internationalen Wirtschaftsbeziehungen stört und nachholende Industrialisierung vor allem in China, aber auch in anderen Schwellenländern weit fortgeschritten ist. Und die Autoindustrie ist aktuell durch die hartnäckige Wirtschaftsflaute und die E-Wende in Schwierigkeiten – nicht zuletzt durch neue Wettbewerber aus China. Wie können Unternehmen darauf reagieren? Egner: Krisen sind immer auch Chancen. Und die aktuelle Wirtschaftskrise kann auch ein Anlass sein, das eigene Unternehmen innovativer und resilienter aufzustellen. So steht der klassische Autohandel beispielsweise vor einer strukturellen Umwälzung, die von den Herstellern ausgeht. Das Agenturmodell könnte, flächendeckend eingesetzt, den Autokauf revolutionieren. Und auch für Autohäuser in wirtschaftlich schwierigen Lagen gibt es Lösungen, wenn etwa die Cashflows aktiv gemanagt werden und Der Interviewpartner: Dr. Marcus Egner leitet die Abteilung für Insolvenz- und Sanierungsrecht im Haus des Rechts (Dietz Tonhäuser & Partner). T I TEL

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