Krise & Chance April 2026

Unerwartete und schwerwiegende negative Konjunkturentwicklungen im Bereich der Automobilindustrie, die zu den Hauptabnehmern von Produkten aus der mbw-Gruppe zählt, brachten die Gruppe aus dem wirtschaftlichen Gleichgewicht. Mehrere Serienanläufe verzögerten sich aufgrund von Planungsunsicherheiten zeitlich oder waren nicht im geplanten Umfang erfolgt. Hinzu kamen finanzielle Belastungen aus Kostensteigerungen für Material, Energie und Personal. Die hohen Energiepreise trafen die mbwGruppe als energieintensives Unternehmen ganz besonders, ebenso wie die Anforderungen zur Erreichung von Klimaneutralität. „Insgesamt ließen sich diese verschiedenen Kostensteigerungen nur zu einem Teil an unsere Kunden weitergeben oder durch Neugeschäft ausgleichen“, sagt mbw-Geschäftsführerin Vanessa Schmidt. „Die Unterauslastung und die verbliebenen Belastungen für unser Unternehmen führten dazu, dass die Liquiditätslage stark angespannt war und wir unseren Tilgungsverpflichtungen nicht mehr sicher nachkommen konnten. Damit waren wir im Dezember 2024 gezwungen, Insolvenzantrag zu stellen, um uns mit der Unterstützung von Dr. Dirk Pehl von Schultze & Braun und den Instrumenten des Insolvenz- und Sanierungsrechts neu aufstellen zu können und zugleich über eine gezielte Investorensuche Partner zu finden, die uns mit frischem Geld unterstützen.“ Das Insolvenzverfahren wurde zum 1. März 2025 eröffnet und Dr. Dirk Pehl zum Insolvenzverwalter bestellt. Eine komplexe Aufgabe Grundsätzlich ist eine Sanierung selbst bei kleineren Verfahren nicht zwangsläufig eine kleine – also einfache – Aufgabe. Bei der mbw-Gruppe mit Hauptsitz in Rheinmünster (Baden-Württemberg) sowie fünf Werken in Lichtenau (Baden-Württemberg), Einbeck (Niedersachsen), Mühlhausen und Sömmerda (jeweils Thüringen) sowie Hartha (Sachsen) und insgesamt 320 Mitarbeitenden war dies eine echte Herausforderung. Aus diesem Grund strukturierte Insolvenzverwalter Dr. Dirk Pehl das Verfahren von Anfang an mit dem Ziel, nicht irgendeine schnellstmögliche, sondern eine optimale Lösung zu finden – eben die richtige. Unterstützung holte er sich bei allea consult, deren Expertinnen und Experten seit vielen Jahren Insolvenzverfahren unterstützend begleiten. „Wir hatten direkt mit der Suche nach potenziellen Investoren begonnen und dabei sowohl Finanzinvestoren als auch strategische Investoren miteinbezogen, etwa Wettbewerber oder Unternehmen, die mit einer Übernahme ihr Angebot erweitern möchten“, so Dr. Dirk Pehl. „Ein Investment war deshalb attraktiv, weil sich die mbw-Unternehmensgruppe strategisch in mehrere zukunftsorientierte Veredelungsverfahren sowie Marktsegmente entwickelt hat.“ Dabei war die Suche nach einer Lösung essenziell. Ein Ausbleiben hätte zu einem Zerbrechen der Sanierungsbemühungen geführt, was wiederum das Ende der mbw-Unternehmensgruppe und aller Arbeitsplätze bedeutet hätte. Doch es kam anders. Am 1. August 2025 übernahm die Arthur Henninger Gmbh den Geschäftsbetrieb sowie die dortige Belegschaft des Standorts Lichtenau (Baden-Württemberg). Und mehr noch: Am 1. September 2025 übernahm die Rieger Metallveredlung aus Steinheim im Albuch (Baden-Württemberg) den Standort in Mühlhausen, den sie seitdem als Rieger Metallveredlung Mühlhausen GmbH weiterführt. Und mehr noch. Über die (ehemalige) mbw-Gruppe: Die 1987 gegründete mbw-Gruppe zählte zu den führenden Anbietern im Bereich der Oberflächenveredelung von Metallen und war als Lohnveredler spezialisiert auf die galvanische und chemische Oberflächenbehandlung. Die Beschichtungssysteme der mbwGruppe kommen bei renommierten Unternehmen der Automobilbranche, der Bau- und Beschlagindustrie sowie der Elektroindustrie zum Einsatz. Hauptsitz der Unternehmensgruppe war Rheinmünster. SER I E

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5MzU=