Krise & Chance Mai 2026

„Mit einer Sprit-Reserve komme ich bis zur nächsten Tankstelle, ohne bleibe ich auf der Strecke.“ Dieses Bild, das Dr. Dietmar Haffa von Schultze & Braun im Titel-Beitrag in dieser Ausgabe zur Transport- und Logistikbranche wählt, trifft die Lage zahlreicher Unternehmen ziemlich genau, die sich in einer Krisensituation befinden oder absehbar auf eine solche zusteuern. Und die Devise „Handeln, wenn das Unternehmen noch Reserven im Tank hat“ trifft nicht nur auf die Transport- und Logistikbranche, sondern auf Unternehmen aus nahezu alle Branche zu. Dass Transport- und Logistikbranche das Titel-Thema dieser Ausgabe stellt, ist kein Zufall. Steigende Energiepreise, ein Fahrermangel in sechsstelliger Höhe, geopolitische Verwerfungen und ein anhaltender Lohndruck haben dafür gesorgt, dass die Risiken für Speditionen und Logistiker weiter zunehmen. Rüdiger Bauch und Dr. Dietmar Haffa, beide Fachanwälte für Insolvenz- und Sanierungsrecht bei Schultze & Braun, erläutern in ihrem Beitrag, welche Handlungsoptionen Unternehmen haben, von der außergerichtlichen Anpassung des Geschäftsmodells über die Eigenverwaltung bis zum Regelinsolvenzverfahren. Ihre Kernbotschaft: Die Insolvenz ist längst nicht mehr die letzte Ausfahrt, sondern ein realistisches Instrument, um in einer Krise in der Spur zu bleiben. Vorausgesetzt, man hat seine Tankanzeige im Blick. Dass es auch anderen Branchen nicht sonderlich gut geht, zeigt unser zweites Thema. Dr. Jürgen Erbe und Rüdiger Bauch sprechen im Interview über die deutsche Brauwirtschaft – und über das, was Erbe treffend „Sandwich-Brauereien“ nennt: mittelständische Betriebe, zu klein für die Skaleneffekte der überregionalen Marken, zu groß für die Nische der lokalen Hausbrauereien. Sinkender Bierabsatz seit 2014, Kostenexplosion, demographischer Wandel, Investitionsstau. Das finanzielle Glas ist bei vielen Brauereien eher halb leer als halb voll. Die Parallele zur Logistik liegt auf der Hand: Wer erst handelt, wenn die Reserven verbraucht sind, hat weniger Optionen. Dass es auch anders geht, zeigt der 15. Teil unserer Serie „Erfolgsfaktor Sanierung“. Bei der Klinkhammer Förderanlagen Stahl- und Montagebau GmbH aus Halle an der Saale gelang innerhalb von nur drei Monaten eine übertragende Sanierung: Insolvenzantrag im Januar, Übernahme durch die MLaS Moehring Laser Service GmbH zum 1. April 2026 – dadurch konnten alle Arbeitsplätze und der Standort gesichert werden. Ausschlaggebend waren die Schnittmenge der beiden Unternehmen im Bereich Laserschneidetechnik und das konsequente Zusammenspiel zwischen Insolvenzverwalter, Geschäftsführung und Beratung. Ein Beispiel dafür, dass ein Insolvenzantrag keine Endstation ist, sondern den Weg für die Weiterfahrt in die Zukunft frei machen kann. Ich wünsche Ihnen eine anregende und aufschlussreiche Lektüre. Ihr Tobias Hirte E D I T O R I A L

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