als im klassischen Insolvenzverfahren. Im regulären Verfahren hat der Verwalter weitreichende Durchgriffsrechte, im Pre-Pack fehlen diese. Deshalb braucht es einen stringenten Plan: für die rechtlichen Aspekte, die betriebswirtschaftlichen Fragen, den Umgang mit Kunden und Lieferanten, mit Mitarbeitenden und Betriebsrat. Man kann ein Pre-Pack nicht mit heißer Nadel stricken. Das führt zu einem echten Paradox: Die gründliche Vorbereitung, die das Verfahren erfordert, steht im Widerspruch zur Geschwindigkeit, die es eigentlich auszeichnen soll. Dies und die noch zu klärende Frage nach der Vergleichsalternative könnten die Anwendungsfälle in der Praxis reduzieren. Welche Anforderungen stellen sich auf Investorenseite? Klees: Es braucht Investoren mit einem hohen Maß an Pragmatismus und Agilität, die bereit und in der Lage sind ein heißes Eisen zu schmieden. Das Problem: Strategische Investoren einer gewissen Größenordnung haben eigene Compliance-, Berichts- und Kontroll-Strukturen, die schnelles Handeln strukturell erschweren. Inhabergeführte Mittelständler, die eigentlich ideal wären, sind oft eher konservativ und risikoavers. Finanzinvestoren agieren teils als Opportunisten; für eine echte Sanierung mit Zukunftsperspektive reicht das häufig nicht aus. Der Idealtyp ist ein strategischer Investor, der Potenziale mitbringt: finanzielle Solidität, Synergien in Produktion und Vertrieb, Einkaufsmacht und auch die Bereitschaft, falls nötig Konsequenzen zu ziehen, um das Gesamtgebilde zum Laufen zu bringen. Was würden Sie sich vom Gesetzgeber wünschen? Klees: Im Kern wünsche ich mir, dass das Pre-Pack auch leistungswirtschaftliche Eingriffsmöglichkeiten erhält. Heute kann es im Wesentlichen helfen, Verbindlichkeiten zu reduzieren. Das ist nützlich, reicht aber vielfach nicht aus, da z.B. sinkende Umsätze grundlegende Veränderungen der Strategie und des Setups erfordern. Wer ein Unternehmen nachhaltig überlebensfähig machen will, muss auch in die operative Substanz eingreifen können: Verträge, Strukturen, Standorte. Solange das nur im klassischen Insolvenzverfahren möglich ist, wird das Pre-Pack ein Instrument mit erkennbarem Charme bleiben, das aber sein volles Potenzial nicht entfalten kann. Was bleibt als Kernbotschaft? Klees: Pragmatismus und Realismus. Und zwar auf allen Ebenen. Im M&A-Prozess selbst, in der Vorbereitung des Verfahrens, bei den Stakeholdern und bei den Investoren. Das Pre-Pack kann dazu ein nützliches Werkzeug sein. Aber es löst keine Probleme, die bereits vorher entstanden sind, weil zu lange gewartet wurde. Je früher man erkennt, wie die Lage ist und je früher man anfängt, Handlungsoptionen zu erarbeiten, desto größer sind die Chancen, dass am Ende eine erfolgreiche Transaktion umgesetzt werden kann.
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