Krise & Chance Juli 2026

„Das Runde muss ins Eckige.“ Dieser Klassiker unter den Fußballerweisheiten ist nicht zufällig das Motto dieser Ausgabe, denn wer ein Unternehmen erfolgreich restrukturieren, sanieren oder durch ein Insolvenzverfahren führen will, weiß: Am Ende zählt nicht die Schönheit der Spielzüge, sondern das Ergebnis. Und das hängt davon ab, ob die einzelnen Bausteine ineinandergreifen. Das gilt umso mehr für ein Verfahren, das derzeit in der deutschen Sanierungslandschaft intensiv diskutiert wird und auch im Mittelpunkt dieser Ausgabe steht: das Pre-Pack-Verfahren. Vier namhafte Interviewpartner ordnen eine neue, maßgebliche europäische Richtlinie für Sie aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven ein. Dr. Sascha Haghani von der Hannover Finanz bringt die Logik des Verfahrens auf den Punkt: „Geschwindigkeit schlägt Perfektion.“ Wer Enterprise Value erhalten wolle, könne sich Verzögerungen schlicht nicht mehr leisten. Christian Fortmüller von der DZ BANK betrachtet das Pre-Pack aus Bankenperspektive und betont die Planbarkeit, die das Verfahren in einen sonst kritischen Übergang von der außergerichtlichen Sanierung ins gerichtliche Insolvenzverfahren bringen kann. Timo Klees von PwC Deutschland setzt einen Kontrapunkt und empfiehlt, beim Pre-Pack den Ball flach zu halten. Solange die operativen Eingriffsmöglichkeiten des Verfahrens hinter denen des klassischen Insolvenzverfahrens zurückblieben, drohe ihm das Schicksal des StaRUG, kurz: viel Potenzial, wenig praktische Anwendung. Joachim Ponseck von Baker McKenzie schließlich warnt vor einer ganz anderen Versuchung: dem Goldplating bei der Umsetzung. Das Pre-Pack lasse sich, so Ponseck, weitgehend in das bestehende vorläufige Insolvenzverfahren integrieren. Eines großen gesetzgeberischen Kraftakts bedürfe es nicht. So unterschiedlich die Einschätzungen im Detail sind: Einig sind sich die vier Experten in einem Punkt, denn wer den Anpfiff verschläft, hat das Spiel verloren, bevor es richtig begonnen hat. Wie viel sich erreichen lässt, wenn das Timing stimmt und alle Beteiligten an einem Strang ziehen, zeigt der 17. Teil unserer Serie „Erfolgsfaktor Sanierung“. Christian Krönert von Schultze & Braun hat für die LEIPZIGER Logistik & Lagerhaus GmbH in knapp acht Monaten eine zweigeteilte Übernahmelösung realisiert. Lagerei und Transport gehen in unterschiedlichen Strukturen weiter, rund 55 von ehemals 90 Arbeitsplätzen sind gesichert. Aus eins mach zwei: Auch das kann ein gelungenes Ergebnis sein, wenn das Runde sauber ins Eckige gespielt wird. Und wie hoch der Restrukturierungsdruck in der DACHRegion tatsächlich ist, ordnet Dr. Ralf Moldenhauer von der Boston Consulting Group für uns ein. Mit dem KI-gestützten Industriekrisenradar hat die BCG ein Instrument geschaffen, das Krisensignale in einzelnen Branchen frühzeitig sichtbar macht. Die zentrale Erkenntnis? Restrukturierungsdruck ist das neue Normal, nicht die Ausnahme. Seit 2023 liegt der DACH-Index dauerhaft über dem Niveau der Jahre 2019 bis 2021. Ich wünsche Ihnen eine anregende und aufschlussreiche Lektüre. Ihr Tobias Hirte E D I T O R I A L

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