Krise & Chance Juli 2026

Dr. Ralf Moldenhauer von der Boston Consulting Group (BCG), erläutert, wie das KI-gestützte Industriekrisenradar Krisensignale in unterschiedlichen Branchen frühzeitig sichtbar macht und warum Weitsicht für Entscheider zur zentralen Fähigkeit wird. Herr Moldenhauer, viele Unternehmen in der DACHRegion stehen wirtschaftlich unter Druck. Mit dem Industriekrisenradar hat BCG ein Instrument entwickelt, das diesen Druck messbar machen soll. Was genau steckt dahinter? Moldenhauer: Das Industriekrisenradar identifiziert das aktuelle Restrukturierungsklima in der DACHRegion. Vereinfacht dargestellt funktioniert es wie ein Wetterbericht für die Restrukturierungslandschaft: Es zeigt an, wie hoch der Druck in der Wirtschaft insgesamt und in einzelnen Branchen ist, und in welche Richtung sich die Lage entwickelt. Dazu wenden wir einen Index auf die Analyse von Dokumenten an, die einen Restrukturierungsbezug und ein negatives Sentiment aufweisen. Das Ergebnis ist ein präzises Abbild der Restrukturierungserwartungen, das wir regelmäßig aktualisieren. Wie funktioniert das methodisch? Moldenhauer: Grundlage ist die Auswertung von mehr als 40.000 öffentlich verfügbaren Dokumenten, darunter Nachrichten, Artikel, Finanzberichte und weitere Publikationen im Zeitraum vom ersten Quartal 2023 bis aktuell Mai 2026. Eine solche Menge an Material lässt sich von Menschen allein weder vollständig noch konsistent erfassen. Deshalb setzen wir Künstliche Intelligenz für die Sentiment-Analysen ein. Dabei wird maschinell ausgewertet, welche Stimmung in einem Text zum Ausdruck kommt, etwa ob über ein Unternehmen oder eine Branche in einem von Restrukturierungsthemen geprägten, negativen Kontext berichtet wird. Der Einsatz der KI gewährleistet dabei Objektivität und Repräsentativität. Es zählt nicht der Eindruck einzelner Beobachter, sondern die Auswertung der gesamten Breite der verfügbaren Quellen. T I TEL

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