Mit dem NPL-Barometer erhebt die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) jährlich ein Stimmungsbild der Risikoabteilungen der deutschen Banken. BKS-Präsident Dr. Marcel Köchling erläutert, warum 2026 der Fokus vor allem auf den Gewerbeimmobilien liegt – und was eine Stage-2Pipeline von rund 470 Milliarden Euro für Sanierer und Restrukturierer bedeutet. Herr Dr. Köchling, zunächst herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl und der Rückkehr an die Spitze der BKS. Was hat sich am Markt verändert, seit Sie das Amt des Präsidenten zuletzt innehatten? Köchling: Fast alles – außer seiner Bedeutung. Der Sekundärmarkt für notleidende Kredite ist heute ein regulierter, hochprofessioneller Markt. Auf Verkäufer- wie auf Käuferseite stehen sich erfahrene, spezialisierte Akteure gegenüber, und mit dem Kreditzweitmarktgesetz beaufsichtigt die BaFin die Kreditdienstleister. Das schafft Vertrauen, erhöht aber auch die Eintrittshürden. Genau in diesem Spannungsfeld sehe ich den Verband: Wir begleiten die Regulierung konstruktiv, dringen aber darauf, dass aus Aufsicht keine Bürokratie wird, die den Risikoabbau der Banken am Ende bremst. Welche Schwerpunkte setzen Sie für Ihre Präsidentschaft? Köchling: Meine drei Schwerpunkte werden die Regulierungsarbeit – insbesondere auf EU-Ebene – die Datenarbeit sowie der Dialog mit Banken, Aufsicht und Politik sein. Die Regulierungsarbeit ist auf Platz Eins, da der „administrative Aufwand“, nach dem wir im NPL-Barometer fragen, der höchste Einzelwert unserer gesamten Erhebung ist, das ist ein Alarmsignal. Die Datenarbeit ist aber nicht weniger wichtig: Mit dem NPL-Barometer, unserer neuen Datenplattform und einer Grundlagenstudie zu den Determinanten des deutschen NPL-Marktes wollen wir die faktenbasierte Stimme zum deutschen NPLMarkt sein. Der Dialog mit Banken, Aufsicht und Politik komplettiert das Schwerpunkt-Trio: Ein funktionierender Sekundärmarkt ist kein Selbstzweck – er hält die Bilanzen der Banken frei für neues Kreditgeschäft. Was ist der zentrale Befund des NPL-Barometers 2026? Köchling: Verstetigung auf hohem Niveau: Das Gesamtklima liegt bei 0,32 nach 0,31 im Vorjahr – klar im positiven Bereich, der für steigende Bestände und zunehmende Transaktionen steht. Noch spannender ist der Blick auf die längere Zeitachse: Die Stimmung drehte 2020 ins Positive, das gemeldete NPL-Volumen folgte ab 2023 – von rund 38 auf inzwischen gut 50 Milliarden Euro. Das Barometer läuft der Statistik um etwa drei Jahre voraus. Und es zeigt: Der Aufbau beim NPL-Volumen ist noch nicht abgeschlossen. Die ausgewiesene NPL-Quote von 1,6 Prozent wirkt trotzdem moderat. Köchling: Die eigentliche Geschichte steht eine Stufe davor. 15 Prozent des deutschen Kreditvolumens sind Stage-2-Kredite – Engagements mit deutlich erhöhtem Ausfallrisiko. Das ist der höchste Wert unter den großen EU-Ländern, gut anderthalbmal der europäische Schnitt, rund 470 Milliarden Euro. Wir schätzen, dass je nach Konjunktur daraus sieben bis acht, bei Der Interviewpartner: Dr. Marcel Köchling ist seit Juni 2026 Präsident der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) – eine Rückkehr in ein Amt, das der Manager der PRA Group bereits in früheren Jahren innehatte. T I TEL
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