Krise & Chance Juli 2025

Bei den Insolvenzzahlen, aber auch bei der Anzahl der StaRUG-Verfahren gibt es derzeit nur eine Richtung: nach oben. Tobias Tillmann, Manger Special Risk Management (SRM) und Leiter des Bereichs Special Recovery beim internationalen Kreditversicherer Atradius vertritt regelmäßig Lieferanteninteressen in Restrukturierungs- und Insolvenzverfahren. Im Interview spricht er über die Bedeutung des StaRUG für Warenkreditversicherer und Lieferanten und erläutert, warum auf eine finanzielle immer auch eine operative Restrukturierung folgen sollte. Herr Tillmann, Sie sind spezialisiert auf Risikomanagement in Krisensituationen. Spätestens seit dem LeoniVerfahren ist das StaRUG als vorinsolvenzliches Restrukturierungsverfahren etabliert. Wie bewerten Sie seine Bedeutung aus Sicht der Warenkreditversicherer? Tillmann: Als Warenkreditversicherer bewerten wir das StaRUG grundsätzlich positiv. Es ermöglicht Unternehmen, sich frühzeitig – also vor einer Insolvenz – zu sanieren. Zudem liegt der Fokus beim StaRUG klar auf der Fortführung des Unternehmens. Da sich die Möglichkeiten und Instrumente in der Praxis auf die Passivseite, insbesondere die Finanzverbindlichkeiten eines Unternehmens konzentrieren, sind Lieferantenforderungen in den StaRUG-Verfahren laut unserer Kenntnis bislang nicht betroffen. Welche Rolle spielen Warenkreditversicherer in StaRUG Verfahren? Tillmann: Für die Lieferanten, die sich bei uns versichern, begleiten wir die Verfahren in der Regel konstruktiv und unterstützen die Restrukturierungsbemühungen. Denn es ist ja so: Mit einem Kunden, der wieder auf einer finanziell gesunden Basis steht, können Lieferanten perspektivisch stabilere Geschäfte machen, was wiederum auch positiv für uns als Warenkreditversicherer ist. Unsere Entscheidungen sind immer verfahrensspezifisch. Wir bewerten das gesamte Konzept jedes einzelnen StaRUG-Verfahrens und prüfen dann, ob wir unser Kreditengagement anpassen müssen oder die Restrukturierung begleiten. PRAKTISCHE VORTEILE, THEORETISCHE RISIKEN Verschlechterung der Zahlungsmoral Laut dem aktuellen Zahlungsbarometer des Warenkreditversicherers Atradius sehen sich deutsche Unternehmen zunehmend mit verspäteten Zahlungen, steigenden Forderungsausfällen und rückläufiger Liquidität konfrontiert. 60 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer Verschlechterung des Zahlungsverhaltens ihrer Kunden. Durchschnittlich 57 Prozent aller B2B-Verkäufe sind demnach von überfälligen Rechnungen betroffen. Zudem ist der Anteil uneinbringlicher Forderungen mit durchschnittlich acht Prozent weiterhin hoch, insbesondere im Maschinenbau, wo Liquiditätsengpässe durch zunehmende Forderungsausfälle massiv verschärft werden. THEMA

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