Krise & Chance August 2025

Wie schätzen Sie die politischen Rahmenbedingungen ein? Bauch: Die EU will mit dem „Net Zero Industry Act“ gewährleisten, dass die für den Klimaschutz bedeutende Solarindustrie nicht aus Europa verschwindet. Das Ziel: 40 Prozent der Nachfrage soll von EU-Unternehmen gedeckt werden. Notwendig für die von der EU gewünschte Wiederbelebung der heimischen Produktion wären industriepolitische Unterstützung mit besseren Rahmenbedingungen. Auch die Absicht der neuen Bundesregierung ist es, die gesamte Wertschöpfungskette in der Photovoltaik widerstandsfähiger, also europäischer, aufzustellen – eine Option, die übrigens auch die Verfahren und Instrumente des Insolvenz- und Sanierungsrechts ermöglichen. Welche Entwicklung sehen Sie für den Solarmarkt in Deutschland? Bauch: Ich sehe das wie Harry Wirth, der Bereichsleiter Power Solutions bei Fraunhofer. Der Markt wird sich strukturell grundlegend verändern. Langfristig werden sinkende Herstellkosten von PhotovoltaikModulen auf der einen, steigende Frachtkosten und lange Frachtzeiten auf der anderen Seite die Wettbewerbsposition für die Modulherstellung in Deutschland verbessern. Ein großer Teil der mit einem Photovoltaik-Kraftwerk verbundenen Wertschöpfung wird daher im Land bleibt. Zudem lohnen sich für deutsche Unternehmen nach einer Berechnung des Energiekonzerns E.on auf Basis realer Verbrauchsdaten Investitionen in Solaranlagen mittlerweile im Schnitt schon nach sieben Jahren. Demnach kann ein großer Mittelständler mit Photovoltaik auf dem Dach rund 100.000 Euro jährlich sparen und seine CO2-Bilanz verbessern. Noch schneller rechnet sich für Unternehmen laut Studie, statt Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor E-Autos zu leasen und eigene Ladesäulen anzuschaffen, und zwar im Mittel nach drei Jahren. Wie lautet Ihr Fazit für die deutsche Solarbranche? Bauch: Es zeigt sich: Auch wenn die Tage kürzer werden, droht der deutschen Solarbranche keine andauernde Dunkelheit. Jedoch ist es wichtig, dass sich die Unternehmen auf ihre technologischen Stärken besinnen, Krisenanzeichen frühzeitig erkennen und – wie es auch das Leipziger Hochtechnologieunternehmen Wavelabs getan hat – im Fall der Fälle die Möglichkeiten der Verfahren und Instrumente des Insolvenz- und Sanierungsrechts als realistische Option sehen. Denn Fakt ist: In Zeiten wirtschaftlicher Dunkelheit ist es wichtig, keine Zeit zu verlieren, wenn man zurück ins Licht kommen will.

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