Als drittes Segment sieht Laumann die Automobilzulieferer, die es geschafft haben, signifikanten Umsatz ins nichteuropäische Ausland zu verlagern – etwa Unternehmen, die aus Deutschland heraus Märkte wie die USA, Südamerika, China, Indien oder die ASEAN-Länder beliefern. „Es gibt aber auch Unternehmen, die Produkte herstellen, die über einen absehbaren zeitlichen Endpunkt verfügen“, sagt Laumann. „Beispielhaft sind das etwa Hersteller von Turboladern – ein Bauteil, das im Kontext der fortschreitenden Elektrifizierung der Automobilindustrie immer weiter an Relevanz verliert, bis es ganz in die Obsoleszenz abgleitet. Diese Unternehmen fahren also ganz gezielt eine ‚Last-ManStanding’-Strategie – und das oftmals mit Erfolg.“ Entscheidungen, Entscheidungen Es zeigt sich: Unternehmen, die lediglich in Deutschland aktiv und weder durch ihre Größe noch die Seltenheit und Qualität ihrer gefertigten Komponenten überzeugen können, werden mit großer Wahrscheinlichkeit mittelfristig nicht mehr erfolgreich sein können. Als Investitionsobjekte sind sie also nicht besonders interessant. „Für Unternehmen mit systemrelevanten Produkten und einer leichten Internationalität, sieht das anders aus. Sie sind zwar auch von der grundlegend mauen Stimmung am Markt betroffen, haben aber eine zukunftssicherere Ausrichtung und entsprechend mehr Entwicklungspotenzial“, sagt Laumann, der bereits seit knapp 15 Jahren in der Automobilbranche unterwegs ist. „Da wird das Thema Konsolidierung im Markt elementar, damit die Erstausrüster im Markt verlässliche Partner haben.“ Insolvenzen können eine gute Gelegenheit sein, in diesen Bereich einzusteigen und eine starke Partnerschaft herzustellen. Noch besser sieht es laut Laumann bei Zulieferern aus, die signifikant international orientiert sind. „Bei ihnen haben Übernahmen – sofern die sonstigen Zahlen stimmen und die Qualität der Produkte passt – oftmals langfristige Perspektive. Diese ist bei LastMan-Standing-Unternehmen selbstverständlich nicht gegeben – und auch nicht gewollt. Hier braucht es vor allem eine gute Exit-Strategie.“ Manchmal ganz pragmatisch sein Dies sind natürlich nur grundlegende Handreichungen. Doch auf solchen gröberen Entscheidungsmustern können feinere Instrumente der Investitionsanalyse aufsetzen. Sie alle bilden den vielleicht wichtigsten Faktor, wenn die Übernahme eines insolventen Automobilzulieferers erwogen wird: ein tiefgehendes Verständnis des konkreten Geschäfts. „Die entscheidenden Fragen sind dabei: Was für eine wirtschaftliche Zukunft zeichnet sich für das Unternehmen und seinen Markt ab? Ist ein Verkauf möglich? Und wenn ja, an wen? Wichtig ist auch die Frage nach der eigentlichen Größenordnung. Ist ein Unternehmen zu klein, lohnt es sich meist nicht“, erläutert Laumann. Antworten darauf lassen sich oft nur durch intensive Recherche finden. Gespräche mit Experten für das Segment können helfen, ebenso Gespräche mit wesentlichen Kunden und Versicherern. Wie wird das Unternehmen wahrgenommen? Gibt es vielleicht Erfahrungswerte? Welche Prognosen sind da zu finden? Offene Worte in diesen Bereichen können sich langfristig enorm auszahlen. „Ich spreche nach Möglichkeit auch immer selbst und ohne Mittelsmann mit dem Management, um ein Gefühl für die Organisation und die Aufstellung des Unternehmens zu bekommen“, sagt Laumann. Ebenso sei mindestens ein Ortsbesuch zu empfehlen. Schließlich ließen sich nicht alle Faktoren gleichermaßen gut vom Schreibtisch aus bewerten – auch wenn die ExcelTabellen noch so sauber geführt seien. Da können sich unter Umständen echte Überraschungen auftun – wenn beispielsweise in der Fabrikhalle die neuesten Roboter stehen, die aber durch eine fehlende Planungskompetenz nicht ausgelastet werden und sich ihr Potenzial somit zerstreut.
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