GESELLSCHAFTER AU ZUR KRISENBEWÄLTI Die Automobilbranche steckt in der Krise – besonders betroffen sind mittelständische Zulieferer. Maximilian Dressler, Partner bei EY-Parthenon im Bereich Restructuring & Insolvency, erläutert, wie durch die temporäre Übernahme von Unternehmensanteilen die Ausproduktion in und außerhalb der Insolvenz gesichert werden kann und spricht darüber, welche Vorteile ‚Shareholder as a Service‘ (ShaaS)-Modelle bei der Restrukturierung von Automobilzulieferern haben. Herr Dressler, den deutschen Automobilherstellern geht es nicht gut, aber deutlich schlechter geht es den Zulieferern. Die Sparzwänge der Autobauer sowie die ungeklärte Frage der zukünftig am stärksten nachgefragten Antriebsvariante belasten das Geschäft erheblich. Branchenanalysten prognostizieren, dass die Insolvenzen im Automotive-Sektor dieses Jahr um 40 bis 50 Prozent steigen werden. Wie dramatisch ist die Lage? Maximilian Dressler: Seit Anfang 2020 sind in der EU insgesamt 20 Millionen Neuwagen weniger verkauft worden als im entsprechenden Zeitraum vor der Coronapandemie. Der Absatzeinbruch der Autoproduzenten trifft die Zulieferer, die von planbaren Abrufen der Autobauer abhängen, noch härter: Die Autozulieferindustrie in Deutschland steht voraussichtlich vor einer steigenden Zahl an Insolvenzen. Neben dem Rentabilitätsproblem haben Zulieferer im Working Capital oft ein Kapitalbindungsproblem durch häufige Produktionsstartverschiebungen von vielen Monaten, die zu ausbleibenden Zahlungen geführt haben. Zudem werden Kleinserien-Fertigungen bei hoher Fixkostenbelastung nicht mehr ausreichend vergütet. Anpassungen der Kostenstruktur müssen auf der Basis der kurz-, mittel- und langfristigen Volumenänderungen getroffen werden. Zulieferer, die auch Kunden aus anderen Branchen haben, können das eher auffangen. Die anderen müssen versuchen, sich durch Merger & Acquisitions-Prozesse auf das veränderte Geschäftsumfeld einzustellen. Deshalb die prognostizierte Insolvenzwelle? Dressler: Ja, Sanierungsansätze wie eine reine Liquiditätsfreisetzung oder Zusatzfinanzierungen reichen zur nachhaltigen Restrukturierung absehbar nicht mehr aus. Deshalb müssen Standortverlagerungen oder -schließungen geprüft werden. Jahrelang konnte die Automobilindustrie von hohen Kapazitäten und Auslastungen profitieren, nun schlägt das Pendel zurück. OEMs werden den Kostendruck in Preisverhandlungen an ihre Zulieferer weiterreichen, während die Markterfolge neuer Fahrzeugplattformen und Modelle ungewiss bleiben. Neue Zölle, CO2-Strafzahlungen und die weiterhin fehlende Akzeptanz für batterieelektrische Fahrzeuge in Europa und den USA erschweren zudem die Planungssicherheit für Zulieferer. Die strukturelle Veränderung des Marktes und immer komplexere individuelle Herausforderungen werden zu deutlich mehr Sanierungsbedarf führen. Warum gewinnt die Sicherstellung einer Ausproduktion immer mehr an Bedeutung? Dressler: Damit die Belieferung mit den notwendigen Teilen gesichert bleibt und etwa wegen fehlender Motor- oder Elektronikteile bei den Herstellern nicht die Produktion stillsteht. Denn die Automobilindustrie ist auf größtmögliche Kosteneffizienz ausgerichtet und durch die Just-in-Time-Produktion der Zulieferer ist der kleine Sicherheitsbestand an Teilen, den die Hersteller vorhalten, unter Umständen schnell aufgebraucht. THEMA
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